Ohne Abschied gibt’s kein Wiedersehen

Der Weg von Hanoi in die Mitte Vietnams ist kein Katzensprung. Und wir beide haben auf dieser Reise schon genug schlaflose Nächte in engen, holprigen Bussen verbracht, dass die Aussicht auf einen VIP Schlafwagon im Nachtzug recht verlockend klang. Dreizehn Stunden in einem weichen Bett, während der Zug sanft durch das Land rollt. Wohl auch durch das langsame Tempo der vietnamesischen Züge wurden wir schnell von der Realität eingeholt. Der ganze Wagon war Original aus den 70er Jahren, die Bettwäsche hatte verdächtige Flecken und so ein holpriges Gefährt haben wir sonst nur in Nepal erlebt. Immerhin hat die Klimaanlage zuverlässig funktioniert und es gab genügend Beinfreiheit. Mit T-Shirts als behelfsmäßige Kissenbezüge und in die eigenen Schlafsäche eingekuschelt, holperten wir Hué entgegen, während wir zumindest stundenweise schlafen konnten.

Man beachte die variantenreichen Brauntöne
Rustikale Zugatmosphäre

Hué war die Hauptstadt der letzen Königsdynastie Vietnams. Die Stadt am Parfüm-Fluss beherbergt die Imperialie Zitadelle, den Wohn- und Regierungssitz des Königs, und ist von königlichen Grabanlagen umgeben. Nachdem die Franzosen sich in Vietnam breitgemacht haben, wurden die Könige mehr und mehr zu Strohmännern der République, so dass dem dreizehnten und letzten König nicht einmal mehr die Ehre eines Grabes in der Heimat zu Teil wurde. Seine Überreste liegen heute noch in Paris und die Nachfahren der Nguyen Dynastie leben auf der ganzen Welt verstreut. Anders als in Hanoi, lebt Hué sehr vom Tourismus. Internationales Essen, Souvenirshops und Hotels prägen einige Straßenzüge südlich des Flusses. Von Einheimischen ist hier abends eher wenig zu sehen. Wegen seiner historischen Stätte ist Hué aber wirklich einen Besuch wert. Wir haben in einer geführten Tour die Gräber des zweiten und des zwölften Königs, die Zitadelle und die Pagode der himmlischen Dame besucht. Das Kloster um die Pagode beherbegt noch eine historische Kuriosität.

Viele von euch kennen folgendes Bild:

Thích Quảng Đức self-immolation.jpg
Von Malcolm Browne for the Associated Press, Gemeinfrei, Link

Der buddhistische Mönch Thích Quảng Đức hat sich am 11 Juni 1963 in Saigon aus Protest gegen die Verfolgung von Buddhisten durch den katholischen Diktator Ngô Đình Diệm selbst in Brand gesetzt. Sein Herz blieb dabei unversehrt und wird seitdem als Heiligtum verehrt. Das Herz wir dort nicht ausgestellt. Der Mönch startete seine Reise nach Saigon aber aus eben diesem Kloster mit dem Auto das ihr im Hintergrund des oberen Bildes seht. Dieses Auto steht heute wieder in jenem Kloster:

Nach zwei Nächten in Hué sind wir per Bus weiter nach Da Nang, was mit drei Stunden eine erfrischend kurze Reise war. Da Nang ist bekannt für seine vielen paradisischen Strände, an denen wir es uns gemütlich gemacht haben. Der östliche Teil von Da Nang scheint sich für einen kommenden Massentourismus zu wappnen. Hotel an Hotel wird entlang des My Keh Beaches errichtet. Die Gegend besteht zur Zeit fast nur aus Neubauten und Baustellen. Allerdings ist auch alles noch seltsam leer. Restaurants sind geöffnet und warten auf Touristen die aber (noch?) nicht da sind.

Von dort ist es mit dem Linienbus (1,50€ für 40 Minuten Busfahrt) eine kurze Fahrt nach Hoi An, einem historischen Handelshafen dessen Altstadt eine bunte Mischung aus japanischen, chinesischen, vietnamesischen und französischen Baustilen ist. Ganz treu ihrer eigenen Geschichte ist die Altstadt auch heute noch voller Läden und Händler. Wo früher Gewürze, Stoffe und Porzellan gehandelt wurden, sind es heute in der Regel maßgeschneiderte Kleidung, Schuhe und Kaffee.

Viele kleine Einkaufsläden in Hoi An. Perfekt für den Souvenir-Sucher!

Obwohl es auch heute hauptsächlich eine Einkaufsgegend ist, muss man als Besucher dennoch 120.000 Dong (4,20 €, wem das wenig erscheint sollte bedenken, dass das für einen Vietnamesen zwei Mahlzeiten sind) für den Eintritt berappen. Dafür darf man dann immerhin fünf der 22 historischen Tempel, Häuser oder Hallen besuchen. Das kann man jetzt finden wie man will…

Von Da Nang ebenfalls gut zu erreichen sind die Marmorberge mit Tempelanlagen und anderem Mammon in den Bergen Vietnams. Aber da wir diese Woche schon genug Kulturprogram hatten, investierten wir das Geld lieber in etwas Sinnvolleres:

Bevor es für uns weiter nach Kambodscha geht, verbrachten wir zwei Tage in Ho-Chi-Minh Stadt, besser bekannt als Saigon.  Man merkt schnell, dass die Stadt das wirtschaftliche Zentrum Vietnams ist. Im Stadtkern gibt es Edelboutiquen, Wolkenkratzer und Luxushotels. Gerade beim Essen gehen macht sich das auch im Geldbeutel bemerkbar. Anders als in Hanoi ist die Trennung zwischen Einheimischen und Touristen deutlich zu spüren. Trotzdem genossen wir die ein oder andere Shoppingtour und tauschten diverse Kleidungsstücke aus und erweiterten unser Kamera-Equipment.

Vietnam hat wirklich einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen und wir wollen oder besser werden auf jeden Fall wiederkommen!

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2 Kommentare bei „Ohne Abschied gibt’s kein Wiedersehen“

  1. Wunderschöne Bilder ❤️

    1. rucksacktouristen sagt: Antworten

      Dankeschön 🙂 Hoffentlich fällt keinem auf, dass wir so viele Tore fotografiert haben 😛

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